Gezielte Bekämpfung der virtuellen Pädokriminalität
Der digitale Raum birgt verschiedene Gefahren – vor allem auch für Kinder und Jugendliche. Diese werden immer wieder Opfer sexuellen Missbrauchs. Die Kantonspolizei St.Gallen hat deshalb im vergangenen Jahr in diesem Bereich bewusst einen Schwerpunkt gesetzt.
Eine Kriminalitätsform, welche die Kantonspolizei St.Gallen seit längerem beschäftigt, sind die Übergriffe an Kinder und Jugendlichen im virtuellen Raum. Diese werden von mutmasslichen Tätern oft in Chatforen oder sozialen Netzwerken kontaktiert mit dem Zweck, Vertrauen zu ihnen aufzubauen, um einen sexuellen Missbrauch zu begehen, sexuelle Handlungen vorzunehmen oder die Opfer sexuell auszubeuten.
Aufgrund dieser teils auch besorgniserregenden Entwicklungen hat die Kantonspolizei St.Gallen zusammen mit der Staatsanwaltschaft entschieden, im Jahr 2025 eine Pilotphase durchzuführen. Verschiedene Fachspezialistinnen und -spezialisten der Kantonspolizei St.Gallen gaben sich in Chatforen im Rahmen sogenannter verdeckter Fahndungseinsätze als minderjährige Personen aus. Das Ziel: Straftaten im virtuellen Raum erkennen, verhindern, aufklären und strafrechtlich verfolgen.

Kontaktaufnahme nach wenigen Sekunden
Oft dauerte es nur wenige Sekunden nach dem Einstieg in ein Chatforum, bis die vermeintlichen Jugendlichen in privaten Chatnachrichten von mehreren Dutzend Personen angeschrieben wurden und die Chatinhalte bereits sexualisierte Inhalte aufwiesen. Nach wenigen Minuten belangloser Konversation, bei welcher das minderjährige Alter nochmals bestätigt wurde, verlagerte sich der Fokus konsequent auf sexuelle Themen. Im Durchschnitt dauerte es zehn Tage, bis es zu einem Treffen zwischen den vermeintlichen Jugendlichen und den mutmasslichen Tätern kann.
Solche Kontakte aufzunehmen und aufrechtzuhalten, bedeuten einen erheblichen Aufwand über mehrere Tage und Wochen. Die Spezialistinnen und Spezialisten der Kantonspolizei St.Gallen fokussierten sich in Absprache mit der Staatsanwaltschaft auf 21 Chatunterhaltungen. In diesen Fällen wurde durch die Staatsanwaltschaft aufgrund eines hinreichenden Tatverdachts auf potenziell strafbare Handlungen ein Strafverfahren eröffnet. Insgesamt erfolgten zehn Festnahmen und 13 Hausdurchsuchungen. Die Strafverfahren sind noch nicht abgeschlossen. Es gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Fazit und Ausblick
Die Staatsanwaltschaft und die Kantonspolizei St.Gallen ziehen nach einem Jahr Pilotbetrieb eine positive Bilanz und haben entschieden, den Schwerpunkt in der Bekämpfung der virtuellen Pädokriminalität weiterzuführen. Mit gezielten Schwerpunktaktionen – sei es wie in diesem Pilot in Chatforen oder in anderen Projekten – wird es der Kriminalpolizei auch in Zukunft gelingen, die Kriminalität in verschiedenen Bereichen zu bekämpfen.
TV-Berichterstattung nach der Medienkonferenz vom 23.03.2026