Zu Besuch bei Philipp Sennhauser, Leiter Verkehrspolizei
Philipp Sennhauser leitet die Verkehrspolizei der Kantonspolizei St.Gallen und damit einen Bereich mit grosser thematischer Breite: Von Schulungen für Kinder über Schwerverkehrskontrollen und Signalisations-Projekten bis hin zur Bussenverwaltung laufen die Fäden bei ihm zusammen. Im Interview spricht er über Herausforderungen, zunehmende Spezialisierung und wie seine Leute beim ersten Polizeikontakt im Leben eines Kindes eine wichtige Rolle spielen.
Philipp, bitte beschreibe uns deine Aufgaben als oberster Chef der Verkehrspolizei.
Philipp Sennhauser: Als Leiter der Verkehrspolizei führe ich drei Abteilungen mit verschiedenen Schwerpunkten. Zum einen gehört der Fachdienst Verkehr mit den Schwerverkehrs- und Spezialkontrollen, der Ordnungsbussenverwaltung, den verkehrspolizeilichen Ermittlungen sowie den Geschwindigkeitskontrollen dazu.
Der zweite Schwerpunkt dreht sich um die Verkehrstechnik, die sich mit Signalen und Markierungen, Veranstaltungen und Bauprojekten befasst. Die dritte Abteilung bildet die Verkehrsinstruktion, bei der unsere Mitarbeitenden Kindern und Jugendlichen zeigen, wie sie sich im Strassenverkehr verhalten müssen.
Auch mir direkt unterstellt ist die Administration der Verkehrspolizei, welche die Ordnungsbussen-Buchhaltung und -Infoline betreut, die Regierungsfahrten disponiert und durchführt sowie andere administrative Arbeiten übernimmt.
Dazu kommen weitere Aufgaben, die ich aus der Geschäftsleitung heraustrage. Nicht zu unterschätzen ist das Amt des Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft der Chefs der Verkehrspolizeien der Schweiz und des Fürstentum Liechtenstein, welches ich seit knapp vier Jahren ausübe.
Wie sieht ein klassischer Arbeitstag bei dir aus?
Philipp Sennhauser: Einen grösseren Teil meiner Zeit verbringe ich in den Büros der Verkehrspolizei und im Polizeikommando. Natürlich versuche ich während meiner Arbeitszeit auch, möglichst häufig an der Front dabei zu sein, um Kontrollen oder Ereignissen beizuwohnen. Dazu kommen regionale und nationale Sitzungen mit Partnern auf polizeilicher und nicht-polizeilicher Ebene sowie Treffen mit den Verantwortlichen vom Tiefbauamt oder anderen Kantonsvertretenden.
Was gefällt dir besonders gut an deiner Funktion?
Philipp Sennhauser: Bei der Kantonspolizei St.Gallen arbeite ich sowohl inhaltlich wie auch geografisch in einem grossen Aufgabengebiet. Es ist grossartig, in einem erfahrenen Team tätig zu sein, wobei glücklicherweise unterschiedliche Altersklassen bunt gemischt sind. Zudem schätze ich die gesamte Infrastruktur und Organisation hier sehr. Das Thema «Verkehr» betrifft alle und bringt auch immer wieder rechtliche und politische Fragestellungen, die es zu beantworten gilt.
Gleichzeitig bin ich regelmässig auch als Pikettoffizier eingeteilt. In dieser Funktion komme ich bei ausserordentlichen polizeilichen Ereignissen zum Einsatz. Bei solchen Ereignissen werde ich bei Bedarf über alle getroffenen Massnahmen informiert und ergänze diese wo nötig oder übernehme die Einsatzleitung. Zudem verfüge ich spezialisierte Einsatzmittel der Kantonspolizei, zum Beispiel den Einsatz der Interventionseinheit.
Da komme ich mit allen Facetten der polizeilichen Aufgaben in Kontakt, seien es kriminal- oder sicherheitspolizeiliche Fälle, Einsätze der Regionalpolizei oder Ereignisse, die überregional oder national eine Zusammenarbeit erfordern.
Wo liegen eure Berührungspunkte mit Mitarbeitenden, Bevölkerung und Drittpersonen?
Philipp Sennhauser: Wenn unsere Polizistinnen und Polizisten für die Verkehrsinstruktion in die Schulen gehen, entsteht dort in der Regel der erste Kontakt zur Polizei. Wir haben dabei die Möglichkeit, bereits früh ein positives Image der Polizei in den Köpfen zu schaffen. Als Verkehrspolizei haben wir ausserdem mit allen Schichten der Bevölkerung zu tun, denn es erwischt bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung fast jeden einmal: Vom Handwerker bis zum Multimillionär. Anders ergeht es auch dem einen oder der anderen unserer Mitarbeitenden nicht, weshalb so ebenfalls ein reger Kontakt zu den internen Kolleginnen und Kollegen entsteht. Dabei kann es um Dringlichkeitsfahrten, aber auch um Fahrten auf privater Ebene gehen.
Weiter sind wir mit diversen Amtsstellen des Departements oder des Kantons in stetem Kontakt. Dies kann beispielsweise bei politischen Anliegen, der Klärung von Zuständigkeiten oder der Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt der Fall sein. Wir bewilligen zudem Veranstaltungen, führen Schulungen und Vorträge durch und stehen bei Fragen zum Strassenverkehrsrecht und dessen Umsetzung zur Verfügung. Über allem steht ein Ziel, nämlich die Verkehrssicherheit auf einem hohen Niveau zu halten oder zu verbessern.
Gibt es Herausforderungen oder Probleme, vor denen die Verkehrspolizei steht?
Philipp Sennhauser: Es gibt verschiedene Dinge, die uns tagtäglich aufs Neue fordern. Ein Punkt ist sicherlich das stetige Bevölkerungswachstum und der dadurch zunehmende Verkehr in der Quantität und Qualität (Mischverkehr, also der Verkehr mit unterschiedlichen Arten von Fahrzeugen). Hinzu kommen der technologische Fortschritt und die hohe Sensibilität der Bevölkerung bezüglich Strassenverkehrs (Lärm, Bauprojekte, Regelverstösse etc.).
Auch Strassenbauprojekte und politische Vorstösse beschäftigen uns in hohem Mass. Fast jede Bürgerin und jeder Bürger nimmt am Strassenverkehr teil, sei es als Fussgänger, Trottinett-, Velo- und Töfffahrer oder als Autofahrerin oder Autofahrer – das führt zu einer hohen Betroffenheit, wenn es um Kontrollen, Bussen, Gesetzesänderungen und Bauprojekte geht. All dies erfordert eine gute Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeitenden und eine möglichst spürbare Präsenz an der Front. Diese kann nicht immer in zufriedenstellendem Mass gewährleistet werden.
Strebt ihr langfristige Veränderungen an?
Philipp Sennhauser: Es ist uns ein Anliegen, künftig immer mehr Spezialgebiete abzudecken, in denen sich Mitarbeitende anderer Hauptabteilungen nicht in der gleichen Tiefe auskennen können. Dafür sind nicht nur zusätzliches Wissen, sondern auch spezielle Gerätschaften gefragt. Es liegt auf der Hand, dass die Frontpolizei bereits mit sehr vielseitigen Aufgaben betraut ist. Diese Mitarbeitenden haben schlichtweg keine Zeit, sich solches Spezialwissen anzueignen. Es ist unser Ziel, unser Know-how und unsere Fähigkeiten bei solch speziellen Fällen vermehrt zur Verfügung zu stellen.
Bitte ohne falsche Bescheidenheit: Welche Stärken zeichnen dich für deine Funktion aus?
Philipp Sennhauser: Ich mag Menschen und kann gut mit ihnen umgehen. Ausserdem denke ich, dass ich eine starke Auffassungsgabe habe und mich rasch mit neuen Situationen und Herausforderungen anfreunden kann. Von Vorteil für meine Arbeit ist, dass ich polizeiliches sowie juristisches Wissen mitbringe. Nicht zuletzt würde ich sagen, dass ich ein sehr positiv denkender Mensch bin, gerne arbeite und genau das in meinem Job tun kann, was ich liebe.