Ein Anhänger für schwere Fälle

Die Kantonspolizei St.Gallen verfügt seit Mitte 2024 über einen auf den ersten Blick unscheinbaren Anhänger. Doch dieser hat es in sich! Der sogenannte Katastrophenanhänger wird vom Kriminaltechnischen Dienst unterhalten und kommt – wie der Name bereits verrät – bei Katastrophenfällen zum Einsatz.
Auf den Katastrophenanhänger wird beispielsweise bei Flugzeugabstürzen, Zugunfällen oder Ereignissen mit vielen Toten und Verletzten zurückgegriffen. In Zukunft ist zudem auch eine Nutzung bei Amok- oder Terrorszenarien denkbar. Zuständig für den Anhänger sind die Mitarbeitenden des Kriminaltechnischen Dienstes. Sie nehmen sporadisch an Übungen und Trainings teil, um für den Ernstfall bereit zu sein.
Einsatzbereiche
Mögliche Aufgabenbereiche für den Einsatz des Katastrophenanhängers könnten wie folgt aussehen:
Dokumentation des Ereignisorts
Bergung von Leichen oder Leichenteilen
Betrieb einer Leichensammelstelle
Bergung von speziellem Streugut (besondere und technische Teile)
Spurensicherung am Ereignisort
Einsammeln von allgemeinem Streugut
Ausstattung und Technik
Auf dem Anhänger befinden sich Gerätschaften und Material, welche der Kriminaltechnische Dienst auf dem Schadenplatz benötigt. Dazu gehören:
Akku-Scheinwerfer
Stirnlampen
Akku-Bohrhämmer
Notstromgenerator
Absperr- und Beschriftungsmaterial
Schutzmaterial (Spurenschutzanzüge, Überschuhe, Staubmasken, Einweg- und Schnittschutzhandschuhe)
Erste-Hilfe-Tasche
Werkzeuge
Büro- und Schreibmaterialien
Leichensäcke und Verpackungsmaterial für Asservate

Weitere technische Ausrüstungsgegenstände befinden sich standardmässig nicht im Anhänger, denn Kommunikationssysteme wie Funk oder Telefon bringen die Mitarbeitenden selbst mit auf den Schadenplatz. Fotokameras, Drohnen und 3D-Scanner werden dem Material des Kriminaltechnischen Diensts entnommen.
Einsatzplanung und Logistik
Der Katastrophenanhänger kann im Bedarfsfall von einem Mitarbeitenden abgeholt und mit einem Fahrzeug mit genügend Anhängelast zum Schadenplatz gefahren werden. Er ist jedoch so gebaut, dass er auch mit einem Kran oder Helikopter angehoben oder transportiert werden könnte. Die Mitarbeitenden des Kriminaltechnischen Dienstes sind für die Wartung des Anhängers zuständig. Zudem stellen sie sicher, dass das Material regelmässig auf Einsatzbereitschaft überprüft wird. Dazu gehört beispielsweise, die Akkus zu laden, den Ersatztreibstoff für den Notstromgenerator auszuwechseln sowie die Geräte auf ihre Einsatzfähigkeit zu überprüfen. Weiter müssen Desinfektionsmittel, Batterien und weiteres Verbrauchsmaterial periodisch ausgewechselt werden. Die Koordination mit anderen Rettungskräften und Partnern erfolgt analog der Ereignisbewältigung. Früher wurde das notwendige Material für Katastrophenfälle an mehreren Orten gelagert. Bei einem Einsatz musste es zuerst zusammengetragen und darüber hinaus noch ein Fahrzeug mit entsprechendem Ladevolumen organisiert werden. Die Einführung des Katastrophenanhängers und somit die zentrale Lagerung des Materials wurde wichtig, um in Notfällen schnell einsatzbereit zu sein. Mit der Option, dass der Anhänger auch via Helikopter oder Kran an unzugängliche Orte geflogen oder gehievt werden kann, wird ein weiterer Pluspunkt erfüllt. Die Mitarbeitenden des Kriminaltechnischen Diensts konnten den Anhänger bis im Januar 2025 noch während keinem Einsatz testen – und hoffen, dass dies trotz idealer Ausrüstung auch noch länger so bleiben wird.
