Fahrzeugforensik – digitale Spurensicherung aus Fahrzeugen

Die zunehmende Technologisierung von Fahrzeugen hat dazu geführt, dass moderne Autos nicht mehr auf ihre Kernmerkmale reduziert werden können. Ein Fahrzeug besteht heute aus bis zu 100 Steuergeräten, drei Kilometern Datenleitungen und 4’000 Kontaktierungen. Entsprechend komplex darf man sich die digitale Spurensicherung aus Fahrzeugen vorstellen.

Die Steuergeräte in Fahrzeugen können als kleine Computer verstanden werden, die über eigene Prozessoreinheiten und Datenspeicher verfügen und miteinander vernetzt sind. Sie speichern und tauschen ständig Informationen untereinander aus. Die Kantonspolizei St.Gallen hat verschiedene Möglichkeiten, digitale Spuren aus Fahrzeugen zu sichern. Nachfolgend werden die wichtigsten vorgestellt.

Infotainmentsystem

Infotainment setzt sich aus dem englischen «information» und «entertainment» zusammen. Das Infotainmentsystem umschreibt die Zusammenführung von Autoradio, Navigationssystem, Freisprecheinrichtung, Fahrerassistenzsystemen und weiterer Funktionen in einer zentralen Bedieneinheit. Die Abgrenzung zum Bordcomputer ist unscharf. Vom Fahrer oder von der Fahrerin wird meistens ein mittig angeordneter grosser Bildschirm als zentrales Element des Infotainmentsystems wahrgenommen. Die Abteilung IT-Forensik & Cybercrime der Kantonspolizei St.Gallen hat die Möglichkeit, das Infotainmentsystem mit einem Auslesegerät nach verwertbaren Informationen zu durchsuchen. Wenn ein Fahrzeug unterstützt wird, können je nach Ausstattung und Unterstützungsgrad durch das Auslesegerät Informationen über gefahrene Routen oder verbundene Mobilgeräte ausgelesen werden.

Steuergeräte

Steuergeräte sind elektronische Module, die überwiegend an Orten im Fahrzeug eingebaut werden, an denen etwas gesteuert oder geregelt werden muss. Das bekannteste Steuergerät ist das Motorsteuergerät. Ursprünglich entwickelt, um die Kraftstoffeinspritzmenge zu steuern, werden heute viele weitere Motorfunktionen damit überwacht und geregelt. Wenn ein Steuergerät bei der Überwachung der gesteuerten Funktionen eine Unregelmässigkeit feststellt, wird ein Fehler gespeichert. Dieser kann mit dem richtigen Gerät von der Abteilung Brand und Spezialfälle ausgelesen werden. Manchmal beinhalten gespeicherte Fehler weitere Daten wie zum Beispiel Fahrpedalstellung, Motorendrehzahl und Geschwindigkeit zum Zeitpunkt des Fehlers.

Event Data Recorder

Immer öfters sind Fahrzeuge ab Werk mit einer ereignisbezogenen Datenaufzeichnung ausgerüstet. Diese sogenannten Event Data Recorder (EDR) sind eine Art Unfalldatenspeicher. Sie zeichnen fortwährend in einem Ringspeicher auf und speichern erst bei einem entsprechenden Auslöseereignis (Event), zum Beispiel bei der Airbag- oder Gurtstrafferauslösung. Es können Beschleunigungs- und Fliehkraftwerte nach dem Auslöseereignis (Unfall) in den Speicher geschrieben werden. Dasselbe gilt für Werte, die bereits einige Sekunden vor dem Ereignis erfasst werden, wie beispielsweise Geschwindigkeit und Pedalstellungen. Die Daten können bei der Rekonstruktion eines Unfallhergangs von Nutzen sein. Wenn sie vorhanden sind, kann der Unfallkoordinator der Kantonspolizei St.Gallen diese Daten auslesen.

Funkfernbedienungen

Selbst die heutigen Autoschlüssel, in der Regel alles Funkfernbedienungen, besitzen die Möglichkeit, Daten abzuspeichern. Dabei werden je nach Fahrzeugmarke Informationen über die Menge des Tankinhalts, den Kilometerstand, die Aussentemperatur, die Zeit der letzten Fahrt und vieles mehr gespeichert. Die Abteilung Brand und Spezialfälle verfügt auch hierbei über ein Instrument, um Daten aus Funkfernbedienungen auszulesen.

Hohe Komplexität

Bereits heute sind Fahrzeuge richtige Datenpools. Diese Daten können als Spurenbeweise dienen und bieten der Kantonspolizei St.Gallen neue Ermittlungsansätze. Die Fahrzeugforensik ist ein komplex aufgestelltes Aufgabengebiet, das die Fachkompetenzen verschiedenster Abteilungen beansprucht. Ein weiteres Themenfeld also, bei dem es gilt, stets up to date zu bleiben.