Gefälschte Identitäten entlarven – Der Blick ins Detail

Täuschend echt: Rund 1’500 Ausweise, Urkunden und Dokumente prüfen die Dokumentenspezialistinnen und -spezialisten der Kantonspolizei St.Gallen jedes Jahr. Dabei entdecken sie alle zwei Tage eine Fälschung. Was harmlos wirken mag, ist teilweise auch der erste Schritt zu schweren Straftaten: darunter illegale Einreisen, Menschenhandel, Betrug oder erschlichene Sozialleistungen.

Identitätsdokumente darunter Reisepässe, ID-Karten, Führerausweise, Aufenthaltsbewilligungen und sogar Geburtsscheine: Das Spektrum an gefälschten Dokumenten ist gross. Im Jahr 2024 konnten die Dokumentenprüfspezialist/-innen der Kantonspolizei St.Gallen rund 16% von 1449 geprüften Dokumenten als gefälscht identifizieren.

Quelle: Kantonspolizei St.Gallen

Ausländische Führerausweise gehören zu den am häufigsten gefälschten Dokumenten. Häufig legen die Personen diese beim Strassenverkehrsamt des Kantons St. Gallen vor, um sie in einen Schweizer Führerausweis umschreiben zu lassen. Besteht der Verdacht einer Fälschung, werden die Unterlagen zur Überprüfung an die Dokumentenprüfgruppe der Kantonspolizei St. Gallen weitergeleitet.

Fälschungen ans – oder unters Licht – bringen

„Unsere Fachspezialist/-innen erkennen oft binnen weniger Minuten, ob ein Dokument gefälscht ist,“ erklärt Andreas Rippert, Leiter des Kompetenz Zentrum Forensik der Kantonspolizei St.Gallen. Dabei greifen die Spezialistinnen und Spezialisten auf eine Vielzahl moderner Technologien zurück:

Die Vielfalt der Fälschungsmethoden

Bei der Analyse der Dokumente kann sich herausstellen, dass es sich um eine Totalfälschung handelt oder aber, dass nur einzelne Elemente eines echten Dokumentes gefälscht wurden. Es wird unter anderem zwischen folgenden Fälschungstypen unterschieden:

Damit die Fachspezialist/-innen fähig sind, Fälschungen überhaupt als solche zu entlarven, absolvieren sie die eidgenössisch akkreditierte Ausbildung zum Dokumentenprüfspezialisten respektive zur Dokumentenprüfspezialistin. Die Prüfungen der Ausweise folgt stets einem bestimmten Ablauf: Datenschutz und Beweisrecht haben dabei höchste Priorität. Jedes überprüfte Dokument wird protokolliert, digital archiviert und die Ergebnisse dokumentiert.

Roland Schraner ist Leiter der Dokumentenprüfgruppe. Der Fachspezialist zeigt im Video wie die Prüfung von Dokumenten abläuft:

Stetiger Wandel

„Der grösste Stolperstein sind ständig wechselnde Sicherheitsmerkmale“, sagt Andreas Rippert. Um immer auf dem neuesten Stand zu sein, nutzen die Spezialist/-innen digitale Datenbanken, auf welchen die Echtheitsmerkmale der Dokumente von tausenden Ländern dokumentiert werden. Doch es sind nicht nur neue Sicherheitsmerkmale, die die Herausforderungen mit sich bringen: Teilweise liegen Jahrzehnte alte Dokumente aus entfernten Ländern vor, welche auf ihre Echtheit überprüft werden müssen. Wenn die digitalen Plattformen nicht aufschlussreich sind, hilft nur der Austausch mit dem Ausstellerstaat. Der jährliche Austausch zwischen nationalen und internationalen Behörden ist hierbei grundsätzlich essenziell für den Austausch von Fachexpertise. 

Was droht beschuldigten Personen?

Der blosse Besitz eines gefälschten Dokuments ist nicht strafbar; eine strafrechtliche Verfolgung erfolgt erst bei dessen Gebrauch, wie etwa bei der Vorlage eines gefälschten Führerausweises während einer Kontrolle oder dessen Nutzung im Strassenverkehr. Die rechtliche Situation unterscheidet sich hier beispielsweise grundlegend zum Falschgeld, bei welchem bereits der blosse Besitz eine Straftat ist.

Fälschungen im Alltag erkennen

Wichtig ist, dass auch Polizist/-innen der Regionalpolizei Fälschungsmerkmale erkennen können, denn sie kontrollieren im Alltag die meisten Dokumente. Ihre Ausbildung beginnt in der Polizeischule und wird intern regelmässig vertieft. Seit letztem Jahr unterstützt eine App namens „Kinegram“ die Arbeit: Sie zeigt Referenzausweise verschiedener Länder und ermöglicht das Scannen von RF-ID-Chips zur Prüfung biometrischer Daten wie Gesicht oder Fingerabdruck.