Innovationen bei der Kantonspolizei St.Gallen – Geht das überhaupt?
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Innovationen bei der Kantonspolizei St.Gallen – Geht das überhaupt?

Den Begriff «Innovation» trifft man heute in vielen Bereichen der Arbeitswelt an. Er wird schon beinahe inflationär verwendet: Jede Firma bezeichnet sich als innovativ und unterstreicht in gut illustrierten Werbeprospekten ihre innovativen Dienstleistungen und Produkte. Innovation ist denn auch oft das Resultat eines Marktes mit breiter Konkurrenz, der Firmen zur laufenden Verbesserung ihrer Angebote und technologischem Fortschritt zwingt. Innovation wird landläufig mit Agilität, Flexibilität, Erneuerungsdrang oder auch Bereitschaft zur Veränderung gleichgesetzt. Nur wenige würden diese Attribute gleich mit Verwaltungsorganisationen in Verbindung setzen – aber zu Recht?

Es stellt sich die Frage, ob die Kantonspolizei St.Gallen als grosser Zweig innerhalb der kantonalen Verwaltung überhaupt in der Lage ist, Innovationen zu erkennen, zu nutzen oder gar selbst zu innovieren? Ja, definitiv ist sie dazu in der Lage! Der Gewinn des LEADER Digital Awards 2021 führt dies eindrücklich vor Augen! Mit der «Lagebild-Applikation» etablierte die Kantonspolizei St.Gallen einen Standard, welcher visionär und evolutionär das technische und organisatorische Potential inner- und ausserhalb der Kantonspolizei St.Gallen erschliesst.

Von der Idee bis zur nationalen Lage-Applikation für Blaulichtorganisationen

«You have to be willing to be misunderstood if you’re going to innovate». Jeff Bezos, Gründer von Amazon, umschreibt mit seiner Aussage zur Innovation und zur Bereitschaft der «Akzeptanz eines gewissen Unverständnisses» die Ausgangslage der Lagebild-Applikation im Jahr 2016 treffend. Zu Beginn wurde das Lage- und Nachrichtenzentrum (LNZ) mit der Lagebild-Applikation etwas belächelt und wenig ernst genommen. «Funktional war die Applikation noch wenig entwickelt und generierte noch keinen grossen Mehrwert für die Fachdienste oder die Regionalpolizei», reflektiert Robin Breu, Leiter LNZ, kritisch die Startphase der Applikation. Dennoch, man hielt intern an der Vision fest und entwickelte die Lagebild-Applikation ständig weiter. Endnutzer/-innen wurden bewusst in die Weiterentwicklung integriert und ihr Feedback dazu genutzt, um die Lagebild-Applikation noch stärker auf die Bedürfnisse der Anspruchsgruppen auszurichten. Parallel ermöglichte das LNZ mit der Applikation die Überprüfung und Optimierung der Kooperationsprozesse mit anderen Abteilungen und Fachbereichen. Nach und nach erkannte man den Mehrwert der Lagebildapplikation und auch kritische Stimmen wandelten sich zu positiv-konstruktivem Feedback. «Im Nachgang war die Lagebild-Applikation nicht nur ein rein technisches Projekt, sondern änderte bei vielen Fachpersonen den Umgang mit polizeitaktischen Informationen», so Robin Breu weiter. Die Lagebild-Applikation war so gesehen also auch ein interner Wandel mit ausgeprägter organisatorischer Wirkungsdimension.

Nicht nur intern, sondern auch extern stellte sich ein Wandel ein. Nach rund zweieinhalb Jahren Entwicklung erreichte die Lagebild-Applikation einen wichtigen Meilenstein. Die Stadtpolizei Zürich und Schutz & Rettung Zürich erkannten den Mehrwert und führten 2018 das Lagebild in ihren Organisationen ein. Die Kantonspolizei St.Gallen, Schutz & Rettung Zürich und die Stadtpolizei Zürich waren also Inkubatoren. So liessen weitere Blaulichtorganisationen nicht lange auf sich warten. Die Polizeikorps Thurgau, Basel-Stadt, Graubünden, Luzern, Zürich (Kanton) und Winterthur führten bis Januar 2020 die Lagebild-Applikation ebenfalls ein. Was im Jahr 2016 im Lage- und Nachrichtenzentrum der Kantonspolizei St.Gallen begann, überführten die genannten Blaulichtorganisationen 2021 im Rahmen der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten in ein schweizweites PTI-Projekt (Projekt-Technik und Informatik), welche die Weiterentwicklung der Applikation über 24 kantonale und nationale Organisationen koordiniert.

LEADER Digital Award 2021 als Anerkennung und Bestätigung des eingeschlagenen Wegs

Im Herbst 2021 durfte die Kantonspolizei St.Gallen zusammen mit Vertretern der Stadtpolizei Zürich und Schutz & Rettung Zürich den LEADER Digital Award 2021 in der Kategorie Organisationen entgegennehmen. Der LEADER Digital Award wird alle zwei Jahre im Rahmen eines Wettbewerbs des Ostschweizer Fachmagazins LEADER vergeben. Eine Expertenjury mit Vertretern aus Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und dem IT-Bereich bestimmt aus 48 eingereichten Projekten der Deutschschweiz die Sieger des LEADER Digital Award 2021. «Der Sieg in der Kategorie Organisationen bestätigt die eingeschlagene Richtung, die bisher geleistete Arbeit und ist zugleich eine grosse Wertschätzung gegenüber den involvierten Fachpersonen und dem LNZ-Team», merkt Robin Breu an. Weiter sei es auch ein starkes Zeichen, dass eine Verwaltungseinheit wie die Kantonspolizei St.Gallen eine Basis und ein Umfeld zur Innovation geschaffen hat. Auf die eingangs gestellte Frage antwortet Robin Breu denn auch mit einem Augenzwinkern: «Würde die Kantonspolizei St.Gallen diese Fähigkeiten nicht besitzen, so hätte man den Preis nicht gewonnen und in einem solchen Falle hätte man seitens Kantonspolizei St.Gallen auch keine Stellung zur Frage der Innovationsfähigkeit nehmen dürfen». Wird die Kantonspolizei St.Gallen in Zukunft nun im gleichen Atemzug mit dem Begriff «Innovation» genannt? Vielleicht! Die Mitarbeitenden jedenfalls leben Innovation jeden Tag, in vielen Bereichen und in vielen Formen und setzen damit ein starkes Zeichen gegen innen und aussen.

Video LEADER Digital Award 2021

Vorstellung «Lagebild-Applikation»

Video der Firma Online Consulting AG

Interview mit Robin Breu, Leiter Lage- und Nachrichtenzentrum Kantonspolizei St.Gallen